Er fotografiert Menschen in Ausnahmesituationen - vom Kriegsopfer über den Hollywoodstar bis zum Kopfgeldjäger. Er riskiert immer wieder sein Leben für ein Bild. Und er reist ständig um den Erdball, obwohl er in der aufregendsten Stadt der Welt wohnt - in New York. Was treibt den Schweizer Fotografen Tomas Muscionico an?

Einmal, wir kannten uns noch nicht lange, hat mich Tomas zu der Überzeugung gebracht, er würde nicht schlafen. Nie. Nicht, nachdem er in Chicago bis sechs Uhr morgens die Umtriebe von zwielichtigen Gestalten fotografiert hatte.

Anfangs hielt ich ihn für einen Fanatiker, einen Getriebenen, wie all die anderen auch, denen die Kamera zur Waffe gerät auf ihrem Parforceritt durch Schützengräben und Jet Set, süchtig nach den Maskeraden und Skurrilitäten des Alltags, den Harmonien und Abgründen der Welt, die sich auf Kodachrome prima sammeln lassen und die einen zum Frontkämpfer der Medienindustrie machen, zum Helden der Kamera. Noch einer, dachte ich, auf den zutrifft, was die amerikanische Schriftstellerin Susan Sontag mal über Fotografie sagte: "Wenn wir Angst haben, schießen wir; sind wir nostalgisch, machen wir ein Foto."

Ich weiß nicht, wann ich erkannte, daß Tomas zwar ein Getriebener ist, aber einer aus tiefen Gefühlen, aus Leidenschaft für die Menschen, die Mysterien unserer Welt, unserer Existenz. Vielleicht waren es die Momente, in denen er mit seinen Objekten stundenlang in philosophische Gespräche vertieft war, vielleicht jene, in denen er vor Sonnenaufgang einsam durch die Straßen einer heruntergekommen Stadt in Texas kurvte, auf der Suche nach den Motiven, die mehr ausdrücken als nur das, was sie scheinen. Einmal sagte er: "Das ganze Spektrum menschlicher Emotionen: Liebe, Gewalt, Sex, Haß - damit werde ich mich immer beschäftigen."







Oben
UNO-Generalsekretär Kofi Annan, gut bewacht am Telefon. Accra, Ghana

Mitte
Supermodel Heidi Klum backstage. New York City

Unten
Die "Prinville Hotshots" im Grosseinsatz. Oregon, USA