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Am 12. März 2002 erschien der Bericht
"Anstaltseinweisungen, Kindswegnahmen, Eheverbote, Sterilisationen, Kastrationen.
Fürsorge, Zwangsmassnahmen, 'Eugenik' und Psychiatrie in Zürich zwischen 1890 und 1970"

(verfasst von Thomas Huonker, mit einem Vorwort von Stadträtin Monika Stocker, 208 Seiten, Fr. 30.-, zu bestellen per e-mail beim Sozialdepartement der Stadt Zürich
Eine erweiterte und illustrierte Buchfassung erschien im März 2003 im Orell Füssli Verlag:
Diagnose: "moralisch defekt". Kastration, Sterilisation und Rassenhygiene im Dienst der Schweizer Sozialpolitik 1890-1970. 280 Seiten, gebunden, illustriert, Fr. 48.-/ Euro 32.-. Die Ausgabe ist bereits vergriffen, einige Exemplare sind hier noch erhältlich.

Medienechos auf den Bericht "Anstaltseinweisungen, Kindswegnahmen, Eheverbote, Sterilisationen, Kastrationen" hier, auf das Buch (Diagnose: "moralisch defekt") hier.

Der Bericht und das um zusätzliche Informationen und viele Bilder erweiterte Buch schildern in Fallgeschichten und in einem historischen Überblick, wie die schweizerischen Propagandisten und Praktiker der "Rassenhygiene", so Auguste Forel, Ernst Rüdin, Eugen Bleuler, Hans Wolfgang Mayer und Manfred Bleuler, ihre Theorien ausbreiteten und, in Zürich ohne eine diesbezügliche Gesetzesgrundlage, zwischen 1892 und 1970 Tausende von psychiatrisch als "erblich minderwertig" Eingestuften zwangssterilisierten und Dutzende zwangskastrierten.
Dazu genügten Diagnosen wie "Schizophrenie" oder "Moralische Idiotie". Aber auch Blinde, Gehörlose, Epileptiker oder Angehörige ausgegrenzter Volksgruppen (etwa der Jenischen) kamen ins Visier der "Eugenik". Die als "erblich minderwertig" Eingestuften wurden mit erpresserischen Alternativen dazu gebracht, in die Operationen zur Unfruchtbarmachung einzuwilligen. In Zürich gab es die "Alternative" Eheverbot (aufgrund des "eugenisch" inspirierten Artikels 97 des Zivilgesetzbuchs) oder Zwangssterilisation. Gängig in vielen Regionen der Schweiz war die "Alternative" lebenslängliche Anstaltseinweisung oder Sterilisation resp. Kastration. Die häufigsten Fälle waren jene Frauen, an denen anlässlich einer unerwünschten Schwangerschaft eine ärztliche Abtreibung nur dann vorgenommen wurde, wenn sie sich, im gleichen Operationsdurchgang, auch gleich sterilisieren liessen. Viele wurden auch im unmittelbaren Anschluss an die Geburt eines Kindes, das dann zur Adoption freigegeben wurde, sterilisiert. Einge dieser Operationen gingen ohne Wissen der Betroffenen vor sich. Ein amtliches Dokument erwähnt Ärzte, welche solche Operationen gegenüber den Krankenkassen falsch deklarierten.
Die "Eugeniker" in Zürich und auch in anderen Regionen der Schweiz waren europäische Vorreiter der ursprünglich von den USA ausgehenden "Rassenhygiene" zur Ausschaltung "Inferiorer" aus dem "Volkskörper".
Hitler gab Rüdin und seinen Gefolgsleuten ab 1933 dann freie Bahn zur totalitären Umsetzung ihrer menschenverachtenden Theorien von "Rassenhygiene". Hunderttausende von Zwangssterilisationen und ab 1939 der Massenmord an Behinderten und Kranken waren die Folge; im Buch ist auch der Fall eines Schweizer Bürgers dokumentiert, der Opfer von Hitlers "Euthanasie" wurde.